Leserbrief zum Beitrag „ Schüler tötet Klassenlehrerin nach eintägigem Schulverweis „ im Nordkurier vom 12.01.2023

Mehr Aufmerksamkeit der Entwicklung von Schüleraggression

 Die tödliche Gewalttat eines 17-jährigen Schülers gegen seine Lehrerin am Schulzentrum in Ibbenbüren (NRW)  hat mich zutiefst schockiert. Zu dieser Bluttat kam es, nachdem die Schulleitung dem Jugendlichen einen eintägigen Schulverweis erteilt hatte. Trotz aller Erklärungsversuche in Bezug auf die Hintergründe und Motive bleibt diese Tat unerklärbar. Wahrscheinlich lösten verschiedene Faktoren diese Wahnsinnstat aus. Notwendig ist sicherlich jetzt, im Rahmen der Gewaltprävention an deutschen Schulen auch über jene Faktoren zu reden, die die Entwicklung von Schüleraggression gegenüber Lehrkräften begünstigen. Nach meiner Ansicht und Erfahrung ist es erforderlich, künftig mehr über den Erziehungswert von schulischen Ordnungsmaßnahmen nachzudenken. Kommt also ein Schüler seinen Pflichten nicht nach, so sollten zunächst einmal Erziehungsmaßnahmen, wie beispielsweise das pädagogische Gespräch oder gemeinsame Absprachen, den Vorrang vor Ordnungsmaßnahmen haben. Denn drastische „ Schul-    strafen“ ohne sinnvolle pädagogische Alternativen führen in der Regel nicht zur Änderung des Fehlverhaltens. Meines Erachtens steigert die Schule die Gewaltimpulse von Schülern oft auch mit einer Überbetonung des Leistungsdrucks und mit mangelnder Anerkennung der Lernschwachen. So sind Schulversagen, soziale Ausgrenzung und die Demütigung der Schwächeren wohl mit die häufigsten innerschulischen Ursachen für Gewalt. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Schule allen Schülern gleiche Chancen einräumt. Dazu gehören auch klare Verhaltensregeln für das soziale Gemeinschaftsleben und eindeutige Kriterien für die Leistungsbewertung, die von allen durchschaut werden können. Denn gerade Defizite der Fürsorge und Gerechtigkeit an der Schule fördern  Aggressivität und ebenso Gewaltbereitschaft. Solche Gewaltakte wie in Ibbenbüren ereignen sich also zumeist nicht aus heiterem Himmel. Sie haben für gewöhnlich eine längere Vorgeschichte.

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.