Leserbrief zum Beitrag „Ruf nach Kleiderordnung an Schulen sorgt für Aufschrei „ im Nordkurier vom 11.09.2023

Erscheinungsbild und Kleidung der Schüler- ein Erziehungsproblem der Schule?  

Mit Blick auf die französische Debatte über Schulkleidung fordert der Bundeselternrat Regeln für eine Kleiderordnung an Schulen in Deutschland. Schüler mit „ unangemessener oder freizügiger Kleidung“ sollen nach Hause geschickt werden können. Handelt es sich hier nun um einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht von Eltern und Kindern? Die Verantwortung für Kleidung, Haarschnitt, Körperpflege und Kosmetik obliegt den Schülern und den Eltern selbst, nicht der Schule. Die Schule kann nur eingreifen, wenn ernste Störungen des Unterrichts und Belästigungen der anderen Schüler auftreten oder drohen, sei es nun durch einen unangenehmen Geruch wegen Unsauberkeit des Körpers oder der Kleidung oder durch die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern. In einem solchen Fall ist ein Gespräch mit dem Schüler oder dessen Eltern sicherlich erforderlich, denn die Eltern sind laut Familien- und Schulrecht verpflichtet, die Kinder für die Schule zweckentsprechend zu kleiden und auszustatten. Und die Schule kann von den Eltern verlangen, dass sie ihre Kinder für einen bestimmten Unterricht oder ein schulisches Vorhaben zweckmäßig anziehen. Vorrangig betrifft dies die angemessene Kleidung für den Sportunterricht, für Wandertage oder Klassenfahrten. Wählen Mädchen der höheren Klassen ihre Kleidung zu sexuell aufreizend für den Schulbesuch, wird ein pädagogisch geschickt geführtes Gespräch mehr bewirken als alle Verbote. Sollte diese freizügige Bekleidung allerdings die Störung des Unterrichts bewirken, hat die Schule das Recht, gegen diese erotisierende Kleidung einzuschreiten. Selbstverständlich gibt es auch Schulen, an denen bestimmte Regeln, Festlegungen oder Traditionen in Bezug auf die Kleiderordnung bestehen, die gemeinsam mit Eltern und Schülern beraten und beschlossen sowie in die Hausordnung aufgenommen werden. Dann hätten die Lehrer auch eine Handhabe, um ein Mädchen oder einen Jungen bei einem Verstoß gegen die Kleiderordnung heimzuschicken.

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Leserbrief zum Leserbrief „ ‚Moderner‘ Unterricht bringt Schüler nicht voran“ im Nordkurier vom 05.06.2023

Bundesverfassungsgericht verpflichtet die Schule zur Sicherung der Unterrichtsqualität

Das Bundesverfassungsgericht hat der Schule  in der zweiten Phase der Corona-Pandemie erstmals die komplexe Aufgabe vorgegeben, Kindern und Jugendlichen einen Anspruch auf Einhaltung eines für ihre chancengleiche Persönlichkeitsentwicklung  “unverzicht-  baren Mindeststandards“ von Bildungsangeboten zu garantieren. Von der Schule wird deshalb die „Gewährleistung“ von Qualität der Unterrichtsarbeit  verlangt. Was bedeutet dies nun für die Professionalität des Unterrichts? Aus zahllosen Studien ist bekannt, dass die Erteilung des Unterrichts durch fachlich nicht ausgebildete oder inkompetente Lehrpersonen der Realisierung der Bildungsziele im Wege steht. Denn über alle Schulstufen hinweg erreicht etwa ein Viertel der Schülerschaft offenkundig nicht diese „unverzichtbaren Mindeststandards“. Für die Leistungserbringung ist aber jede Einzelschule mit ihrem Kollegium verantwortlich. Dabei sind die Lehrer der Schlüssel zu gutem Unterricht. Sie haben den größten Einfluss auf den Lernerfolg ihrer Schüler. Schulstrukturen, Finanzausstattung, offener Unterricht oder der Digitalunterricht besitzen beispielsweise nur eine geringe Lernwirksamkeit. Leistungsuntersuchungen zeigen aber ganz  deutlich: Vor allem das klare Erklären und Vermitteln von Lerninhalten durch den Lehrer wirken sich überdurchschnittlich gut auf den Lernerfolg aus. Der Lehrer leitet die Lernprozesse der Schüler, kontrolliert deren Fortschritte, gibt Rückmeldungen, verändert eventuell seine Lehrstrategien. Notwendig ist auch eine effiziente Klassenführung, die sich durch hohe Disziplin und geringe Lernzeitverschwendung auszeichnet. Zu viele Lehrer erklären die ausbleibenden Lernfortschritte oft mit einer negativen Arbeitshaltung ihrer Schüler: mangelnder Fleiß, geringe Anstrengungsbereitschaft, fehlende Konzentration, wenig Interesse. Mit dieser Zuweisung der Schuld an die Schüler ersparen sich die Lehrkräfte so die kritische Auseinandersetzung mit ihrem Fachunterricht. Immer mehr Wissenschaftler fordern deshalb eine  „Qualitätskontrolle“ der Lehrer. Denn für die Leistungen der Schüler sei „die Ebene des Fachunterrichts“ maßgebend , also das Engagement, die Zeitnutzung und die fachliche Leistung der Lehrkräfte. Insofern ist es wohl notwendig, ihre Unterrichtsarbeit regelmäßig zu beurteilen und die didaktische Fortbildung strategisch zu intensivieren.

 

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „ Schüler tötet Klassenlehrerin nach eintägigem Schulverweis „ im Nordkurier vom 12.01.2023

Mehr Aufmerksamkeit der Entwicklung von Schüleraggression

 Die tödliche Gewalttat eines 17-jährigen Schülers gegen seine Lehrerin am Schulzentrum in Ibbenbüren (NRW)  hat mich zutiefst schockiert. Zu dieser Bluttat kam es, nachdem die Schulleitung dem Jugendlichen einen eintägigen Schulverweis erteilt hatte. Trotz aller Erklärungsversuche in Bezug auf die Hintergründe und Motive bleibt diese Tat unerklärbar. Wahrscheinlich lösten verschiedene Faktoren diese Wahnsinnstat aus. Notwendig ist sicherlich jetzt, im Rahmen der Gewaltprävention an deutschen Schulen auch über jene Faktoren zu reden, die die Entwicklung von Schüleraggression gegenüber Lehrkräften begünstigen. Nach meiner Ansicht und Erfahrung ist es erforderlich, künftig mehr über den Erziehungswert von schulischen Ordnungsmaßnahmen nachzudenken. Kommt also ein Schüler seinen Pflichten nicht nach, so sollten zunächst einmal Erziehungsmaßnahmen, wie beispielsweise das pädagogische Gespräch oder gemeinsame Absprachen, den Vorrang vor Ordnungsmaßnahmen haben. Denn drastische „ Schul-    strafen“ ohne sinnvolle pädagogische Alternativen führen in der Regel nicht zur Änderung des Fehlverhaltens. Meines Erachtens steigert die Schule die Gewaltimpulse von Schülern oft auch mit einer Überbetonung des Leistungsdrucks und mit mangelnder Anerkennung der Lernschwachen. So sind Schulversagen, soziale Ausgrenzung und die Demütigung der Schwächeren wohl mit die häufigsten innerschulischen Ursachen für Gewalt. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Schule allen Schülern gleiche Chancen einräumt. Dazu gehören auch klare Verhaltensregeln für das soziale Gemeinschaftsleben und eindeutige Kriterien für die Leistungsbewertung, die von allen durchschaut werden können. Denn gerade Defizite der Fürsorge und Gerechtigkeit an der Schule fördern  Aggressivität und ebenso Gewaltbereitschaft. Solche Gewaltakte wie in Ibbenbüren ereignen sich also zumeist nicht aus heiterem Himmel. Sie haben für gewöhnlich eine längere Vorgeschichte.

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Lehrer in Deutschland werden immer häufiger Opfer von Gewalttaten“ im Nordkurier vom 12./13.11.2022

Gewalt gegen Lehrkräfte gehört zum Schulalltag

Nach einer repräsentativen neuen Forsa-Umfrage unter 1308 Schulleitern haben sowohl die verbalen als auch die tätlichen Angriffe auf Lehrer bundesweit drastisch zugenommen. Insgesamt teilten zwei Drittel der Schulleiter mit, dass es in den letzten fünf Jahren an ihrer Schule Fälle gab, in denen Lehrkräfte von Schülern direkt“ beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt“ wurden. Von körperlichen Angriffen wie „Schlagen, Stoßen, Boxen, Treten, mit Gegenständen werfen, an den Haaren ziehen,“ berichtete ein Drittel der Schulleiter. Tätlichkeiten gegen Lehrer gab es überdurchschnittlich häufig an Förder-und Sonderschulen sowie an Grundschulen. Fakt ist: Körperliche und verbale Gewalt gegen Lehrkräfte ist an der Tagesordnung und wird in Zusammenhang mit der Umsetzung der Corona-Maßnahmen zu einem immer größeren Problem in den Schulen. Bei Gewaltvorfällen fühlen sich allerdings viele Lehrkräfte alleingelassen; Schulleitungen, Schulaufsichtsbehörden und Kultusministerien nehmen sich dieser Problematik offensichtlich nicht ausreichend an. So passiert es viel zu oft, dass sich die Schulleitung in Notsituationen aus Zeitmangel oder wegen zu hoher Arbeitsbelastung nicht schützend vor ihre Kollegen stellt. Und das, obwohl der Schulleiter verpflichtet ist, in Wahrnehmung seiner Fürsorgepflicht dafür zu sorgen, dass kein Lehrer seiner Schule während seiner Schulzeit psychisch oder physisch zu Schaden kommt. Stattdessen wird versucht, unangenehme Vorfälle unter den Teppich zu kehren. Fast die Hälfte der befragten Schulleiter hält die Schülergewalt gegen Lehrer für ein „Tabu-Thema“. Gewaltdelikte gegen Lehrkräfte werden häufig als Bestandteil des Lehrerberufs abgetan oder aus Angst vor einem Ansehensverlust der Schule als bedauerliche Einzelfälle bagatellisiert beziehungsweise verschwiegen. Manche Lehrkräfte trauen sich auch nicht, zu ihrem Schulleiter zu gehen, weil sie befürchten, dass ihnen ein solcher Vorfall als individuelles Versagen ausgelegt werde. Um hier gegenzusteuern, muss es gelingen, die Debatte über Gewalt gegen Lehrer zu enttabuisieren. Notwendig ist, Gewaltvorfälle verpflichtend zu dokumentieren, diese sofort der Schulleitung zu melden und sie zeitnah sowie in profes- sionellen Teams aufzuarbeiten. Dabei müssten Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Lehrer und  Psychologen eng zusammenarbeiten, um auftretende Konflikte in den Griff zu bekommen. In schwierigen Notsituationen sollten die Lehrer beraten und zudem psychologisch sowie juristisch betreut werden. Erforderlich ist auch eine konkrete Handreichung mit Präventionshinweisen und verbindlichen Handlungsanweisungen für den Umgang mit Gewaltdelikten. Denn gewalttätige Schüler stellen oftmals eine erhebliche Belastung im Schulalltag dar, so dass unsichere Lehrer eine regelrechte Angst vor dem Unterricht in schwierigen Klassen  entwickeln.  Autoritätsverlust, Rückzugs- verhalten und Dienstunfähigkeit vonseiten der attackierten Lehrer sind dann die fatalen Folgen. Auch die Eltern sind in die Pflicht zu nehmen: Sie müssten zu Hause die Bedeutung von Schule und Unterricht sowie die Wertschätzung gegenüber Lehrern viel stärker vermitteln.

 

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Leserbrief zum Beitrag „Minister will mehr Schulsport“ im Nordkurier vom 02.06.2022

Sportunterricht in Deutschland – ein Mangelfach

Der Sportunterricht ist nach wie vor das Stiefkind der Bildungspolitik. Denn das Fach Sport ist in Deutschland ein Mangelfach: Ständig fallen Sportstunden aus, es wird extrem viel fachfremd unterrichtet. Oft fehlt es an den nötigen Sportstätten und einer adäquaten Ausstattung. Viel Zeit geht häufig mit Umziehen, Vorbereitungen und Erklärungen verloren, sodass zu wenig Unterrichtszeit für die tatsächliche Bewegungsaktivität der Schüler bleibt. Auch die Lehrpläne selbst werden im Sportunterricht selten umgesetzt. Es ist zu vermuten, dass die Pandemie diese Unterrichtsprobleme im Fach Sport noch verschärft hat. Unter dem Strich mangelt es dem Fach nicht nur an Stunden, Personal und Qualität, sondern vor allem auch an Wertschätzung. Bei Englisch oder Mathematik wären solche Unterrichtsmängel ein Unding. Bei Sport interessiert es niemanden. Aber wen wundert das? Wird doch der Schwerpunkt der Schulbildung von Politikern und Schulverantwortlichen eindeutig auf die kognitiven Unterrichtsfächer gelegt. Die Folgen: Seit Jahren entwickelt sich die physische Leistungsfähigkeit von Schülern rückläufig. Gleichzeitig ist die Zahl der Jugendlichen und Kinder mit krankhaftem Übergewicht bundesweit deutlich gestiegen. Sportwissenschaftler, Mediziner und Sportlehrer machen regelmäßig auf enorme Defizite bei Kondition, Fitness und Koordination aufmerksam. Viele Heranwachsende sind körperlich zu wenig belastbar. Obwohl es für das Fach klare Vorgaben gibt, sind die Sportlehrer gezwungen, ihren Unterricht den mangelnden physischen Voraussetzungen der Schüler anzupassen. Übergewicht und motorische Mängel sind auch die Hauptursachen für das Ansteigen der Schulsportunfälle. Dies führt dazu, dass Lehrer aus Angst vor Unfällen den Schwierigkeitsgrad von sportlichen Übungen oftmals gering halten und ihre Schüler unterfordern. Aktivität und Belastung sind in vielen Sportstunden derart niedrig, dass zu geringe gesundheitliche Effekte bei den Mädchen und Jungen erzielt werden. Zugleich werden immer mehr Schüler mit physischen Leistungsschwächen allzu oft ganz oder teilweise vom Sportunterricht befreit. Es ist also dringend geboten, den Sportunterricht regelmäßig durchzuführen, die Unterrichtszeit effektiv zu nutzen, die Bewegungsaktivität der Kinder und Jugendlichen zu steigern und für eine angemessene hohe physische Belastung zu sorgen.  Besonders förderlich sind dabei gut ausgebildete Sportlehrer, die alle Schüler entsprechend ihren Fähigkeiten motivieren und mitnehmen.

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Leserbrief zum Beitrag „ Mecklenburg-Vorpommern schwänzt die Bildungsstudie „ im Nordkurier vom 18.10.2022

Ein Fünftel der Viertklässler scheitert an Mindeststandards in Deutsch und Mathematik

Der IQB-Bildungstrend hat gravierende Lernrückstände offenbart: Ein Fünftel der Grundschüler in Deutschland erreicht am Ende der vierten Klasse nicht einmal die Mindestanforderungen beim Lesen, in der Rechtschreibung und in der Mathematik sowie im Zuhören und ist somit unzureichend auf die weiterführende Schule und den gesamten schulischen Werdegang vorbereitet. Diesen Negativtrend verzeichnen ebenso die Grundschüler der 36 teilgenommenen Schulen aus Mecklenburg-Vorpommern, auch wenn die Testergebnisse im IQB-Bildungsbericht nicht berücksichtigt worden sind. Zugleich klafft die Schere zwischen  sozial benachteiligten und Kindern mit Zuwanderungshintergrund gegenüber Kindern aus privilegierten Familien immer mehr auseinander. Es wird deutlich, dass das vom Bundesverfassungsgericht geforderte Grundrecht auf ein unverzichtbares Bildungsminimum nicht wirklich umgesetzt wird. Kinder aus armen, bildungsfernen oder zugewanderten Familien aber sind die Opfer dieser Bildungskrise. Vieles spricht dafür, dass die pandemiebedingten Einschränkungen die ohnehin ungünstigen Tendenzen der Leistungsentwicklung weiter verstärkt haben.  Der Deutsche Lehrerverband bezeichnete die Studie gar als „Beleg für einen ungebremsten dramatischen Bildungsabsturz.“ Die Bildungsforscher halten deshalb in allen Bundesländern gezielte, langfristig angelegte Strategien der frühkindlichen Bildung und  der Verbesserung der Unterrichtsqualität für erforderlich, um die für einen erfolgreichen Übergang in die Sekundarstufe 1 grundlegenden Mindestanforderungen zu sichern. So müssten schon in der Kita die Bildungssprache Deutsch und elementare Zahlenvorstellungen gezielter gefördert werden. Die Förderung in der Grundschule müsse sich auf Wortschatzarbeit, flüssiges Lesen und grundlegendes Zahlenverständnis sowie auf arithmetische  Fertigkeiten konzentrieren. Risikoschüler bräuchten eine gezielte und längerfristige Unterstützung sowie zusätzliche verpflichtende Förderangebote. Zudem müsse ausreichend oft und im richtigen Rhythmus unter Anleitung geübt werden, wobei die Schülerleistungen ständig und zuverlässig zu überprüfen sind. Die besten Lernleistungen zeigten Schüler dort, wo ein lehrergeleiteter Unterricht mit hohen kognitiven Anforderungen vorherrscht. Außerdem seien hohe professionelle Kompetenzen der Lehrer die unerlässliche Voraussetzung für guten Unterricht. Denn die Erteilung des Fachunterrichts durch fachlich nicht ausgebildete oder inkompetente Lehrpersonen steht der Verwirklichung der Bildungsziele im Wege.

 

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Leserbrief zum Beitrag „MV stoppt Sportunterricht und Gruppensingen im Raum“ im Nordkurier vom 27./28.11.2021

Kinder und Jugendliche brauchen den Schulsport in Coronazeiten mehr denn  je

Monatelang waren die Schulen in Mecklenburg – Vorpommern wegen Corona geschlossen-und das offenbar völlig zu Unrecht. Die Folgen dieser Schulschließungen sind für die Schüler verheerend. Die Lernrückstände sind gravierend, die psychosozialen Probleme alarmierend und die drastischen Bewegungseinbrüche enorm.  In diesem Schuljahr sollte der Präsenzunterricht mit allen Schulfächern und Unterrichtsstunden wieder dauerhaft an den Schulen stattfinden. Angesichts der angespannten Corona-Lage wird aber nun der Sportunterricht in der Turnhalle bis zu den Weihnachtsferien ausgesetzt. Sofern das Wetter mitspielt, findet er im Freien statt. Dafür müssen die Schüler die Alltagskleidung anbehalten, denn das Gedränge beim Umziehen soll vermieden werden. Die freien Turnhallen können so für den Unterricht in angeblich „wichtigeren“ Fächern mit den erforderlichen Abstandsregelungen genutzt werden. Beim Schulsport handelt es sich aber keineswegs um ein Fach, das den Schülern wertvolle akademische Bildungszeit stiehlt – ganz im Gegenteil. Wie Erkenntnisse der Forscher nahelegen, fördert der Sportunterricht neben der körperlichen Fitness auch die kognitiven und schulischen Leistungen. Als bedeutsam erweist sich diesbezüglich vor allem die Qualität des Unterrichts. Besonders förderlich sind dabei gut ausgebildete Sportlehrer. Dass massive Bewegungsdefizite unter Kindern und Jugendlichen bestehen, war schon vor der Coronakrise bekannt. Nun dürfte sich aber der Trend zur körperlichen Inaktivität nochmals drastisch verstärkt haben. Denn noch nie haben sich die Kinder und Jugendlichen in den letzten Jahren so wenig bewegt wie momentan, und noch nie haben sie so viel Zeit vor den Bildschirmen verbracht wie gegenwärtig. Die Folgen: Vielen fehlt es an Körperspannung, Kondition und koordinativen Fähigkeiten. Ein Teil von ihnen gilt sogar als übergewichtig. Wissenschaftler und Ärzte sehen schon heute lebenslange gesundheitliche Folgen für die künftige Coronageneration. Selten hätten wir also den Schulsport so sehr gebraucht wie derzeit in der Pandemie. Eltern, Lehrer und Politiker müssen deshalb jetzt dafür sorgen, dass die Heranwachsenden regulär und vielseitig bei Sport und Spiel in Bewegung bleiben und nicht schon wieder Einschränkungen hinnehmen müssen.

 

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Wann machen die Schulen wieder auf?“ im Nordkurier vom 07.05.2021

Die Schulen sind schon viel zu lange geschlossen

Die Impfquote steigt, die Inzidenzwerte sinken. Doch die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern bleiben weiterhin geschlossen. Während die „Bundesnotbremse“ die Schulschließung erst ab einer Inzidenz von 165 vorschreibt, hält unser Bundesland weiter an seiner selbst gesteckten 100 er – Inzidenzmarke fest. Auch dort, wo der Inzidenzwert seit Tagen unter 100 liegt, dürfen Schulen noch nicht in den Präsenzunterricht zurückkehren. Das ist sturer politischer Aktionismus. Entgegen aller Sprüche der Politiker, die Schulen als Letztes zu schließen und als Erstes wieder zu öffnen, werden die Schüler gnadenlos und sträflich im Stich gelassen. Hier wird der Staat seiner Verantwortung, das Recht der Schüler auf Bildung und Teilhabe zu gewährleisten, nicht gerecht. Corona entlarvt, dass, anders als oft behauptet, Kinder beziehungsweise Schulen in Deutschland keine Priorität haben. Gute Gründe sprechen aber für eine sofortige Öffnung von Schulen. So fordern Corona-Berater der Landesregierung und Kinderärzte die schnellstmögliche Rückkehr der Schüler in den Präsenzunterricht, weil die Schulen selbst  nicht als Infektionstreiber anzusehen seien. Die Hygiene- und Testkonzepte funktionieren; Infektionen werden schnell erkannt. Ein Großteil der Lehrer ist bereits geimpft. Und neue Studien zeigen: Kinder und Jugendliche erkranken weniger häufig und nicht so schwer  an Covid- 19 wie Erwachsene. Zudem sei in den Schulen die Gefahr, dass Schüler sich anstecken und das Virus verbreiten, deutlich geringer als im familiären oder Freizeitumfeld. Offene Schulen würden sogar zur Eindämmung des Infektionsgeschehens beitragen – Bedingung seien aber verpflichtende Tests. Unter der Voraussetzung effektiver Schulhygienekonzepte überwiegen also die Vorteile offener Schulen gegenüber den enormen psychischen und körperlichen Belastungen, denen Kinder und Jugendliche bei Schulschließungen ausgesetzt sind. Wissen, Persönlichkeitsentwicklung, Spracherwerb, soziale Kompetenz – die Lücken in den Bildungsbiografien von Heranwachsenden sind jetzt schon groß. Und sie werden weiter wachsen, je länger die Schulschließungen dauern. Die Bildungsforschung geht davon aus, dass jeder fünfte Schüler intensive Förderung benötigen wird, um die Lernrückstände aufzuholen. Die stärksten Lerndefizite weisen dabei die Grundschüler sowie Kinder und Jugendliche „ aus sozial schwächeren Verhältnissen oder aus Familien mit einer Migrationsgeschichte“ auf. Mittel- und langfristig braucht es deshalb einen Plan zur Aufarbeitung der Corona- Schulkrise mit individuellen Förderkursen und Wiederholungsprogrammen.

 

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Leserbrief zum Beitrag „Lehrerverband übt harte Kritik” im Nordkurier vom 16.12.2020 Digitaler Fernunterricht kann Schulunterricht nicht ersetzen

Es war zu befürchten, dass die wachsende Zahl der Corona-Infektionen in der Bevölkerung sich auch irgendwann in den Schulen zeigt, obwohl die Prozentzahlen insgesamt hier im Vergleich zu der Ausbreitung des Virus in der Gesellschaft eher gering sind. Verschiedene Studien zeigen auch, dass die Schließung von Schulen keinen großen Einfluss auf die Eindämmung des Infektionsgeschehens hat. Womöglich hat oftmals politischer Aktivismus und nicht wissenschaftliche Stringenz zu Schulschließungen geführt. Trotzdem ist die Ungewissheit der künftigen Entwicklung für Lehrer, Schüler und Eltern  schwer auszuhalten. Es ist offensichtlich, dass in den Wochen seit Schließung der Schulen zu wenig unternommen worden ist, um sicherzustellen, dass der Präsenzunterricht an Schulen mithilfe geeigneter Infektionsschutzmaßnahmen zur Kontaktreduktion auch weiterhin stattfinden kann. Zudem wäre auch genug  Zeit gewesen, ländereinheitliche Regeln für einen Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht in weiterführenden Schulen zu entwickeln, die ab einem bestimmten 7-Tage-Inzidenzwert angewendet werden könnten. Unerträglich ist aber auch, dass die ohnehin schon schwere Aufgabe, einen Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen aufrechtzuerhalten, durch tägliches Gegeneinander in der öffentlichen Debatte erschwert wird. So halten Lehrerverband  und Lehrergewerkschaft die Schulöffnungen für riskant oder für eine Illusion. Sie fordern, die Klassen der weiterführenden Schulen zu halbieren. Die eine Hälfte soll in der Schule unterrichtet werden, die andere im Distanzunterricht via Internet. Sie plädieren für den Wechselunterricht, weil sie fürchten, dass die Lage an den Schulen außer Kontrolle gerät. Im Grunde wissen sie ganz genau, dass ein Wechselmodell ebenso ungerecht ist wie die Verlegung des Unterrichts in den digitalen Fernunterricht. Kinder aus privilegierten Elternhäusern werden darunter nicht leiden. Sie haben Eltern, die sie täglich unterstützen können. Sie sind gut mit digitalen Geräten ausgestattet und in der Lage, konzentriert und selbstreguliert zu lernen. Die benachteiligten Kinder kommen beim Distanzunterricht zu kurz oder werden schlicht vergessen. Sie können sich beim Lernen schlecht motivieren und brauchen Instruktion, Feedback und individuelle Begleitung durch den Lehrer – per Video, per Mail und auch per Telefon. Der provisorische Onlineunterricht bedeutet immer auch deutlich weniger Lernstoff, enorme Defizite bei der Wissensaufnahme und soziale Nachteile für die Kinder. Es geht jetzt darum, Schüler davor zu bewahren, durch Corona ihre Bildungschancen zu verlieren. Und eines ist auch ganz sicher: Wer jetzt ab dem 11. Januar 2021 auch weiterhin für Schulschließungen oder für den Distanzunterricht votiert, muss sich darüber im Klaren sein, dass im Jahr 2021 weder eine mittlere Reife noch ein Abitur abgelegt werden können. In diesem Fall müssten alle Schüler das gesamte Schuljahr wiederholen. Wenn es dem Lehrerverband und der Lehrergewerkschaft in Pandemiezeiten wirklich um die Bildungsqualität und die Zukunftschancen der Schüler ginge, dann müssten sie jetzt gemeinsam mit den Schulen und Bildungspolitikern auf der Grundlage eines Gesamtkonzepts konstruktiv an der Aufrechterhaltung des normalen Schulbetriebs arbeiten.

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Elternrat setzt auf Coach am Pasewalker Gymnasium“ im Nordkurier vom 08./09.02.2020

 

Mitsprache der Eltern bei Kernfragen des Lernens ihrer Kinder

Es ist unbestritten, und das zeigen auch die Missstände am Pasewalker Gymnasium, dass die heutige Kooperation zwischen Elternhaus und Schule als wenig partnerschaftlich betrachtet werden kann. Zumeist beschränkt sich das Verhältnis zwischen diesen beiden „Parteien“ auf formale Pflichtrituale. Elternmitarbeit wird überwiegend auf die Wahrnehmung von Hilfsdiensten reduziert: Hilfe bei Klassenausflügen, Organisation von Festen und so weiter. Deutlich wird, dass es sich um eine defizitäre Zusammenarbeit handelt, in der sich die beiden „Erziehungsträger“ gegenseitig für diesen unbefriedigenden Zustand verantwortlich machen. Einerseits berichten Lehrer von Problemen mit Eltern, spüren Erwartungsdruck oder fühlen sich in der Kritik stehend. Andererseits beobachten Eltern, die ganz genau hinsehen, was im Unterricht geschieht, dass ihr kritisches Nachfragen allzu schnell als unzulässige Einmischung gedeutet wird. Durch die gegenwärtige Schul- und Unterrichtsentwicklung sind auch veränderte  Ansprüche und Anforderungen an die Elternarbeit entstanden. So belegen Forschungsergebnisse  zum Schulerfolg von Schülern, dass die Lehrer vielfältige Unterstützung von den Eltern benötigen wie umgekehrt die Eltern die Hilfe der Lehrer brauchen. Es geht also nicht mehr nur um formale Elternmitwirkung  im außerunterrichtlichen Bereich oder in  Gremien, sondern um ihre Mitsprache bei Kernfragen der Unterrichtsarbeit. Denn Eltern sehen sich stärker als früher gefordert, schulisches Lernen ihrer Kinder gezielt  zu unter- stützen und sinnvoll zu begleiten.  Weil es vielen von ihnen schwerfällt, mit Lehrern darüber ins Gespräch zu kommen, sollten vonseiten der Schule konkrete Angebote zur Elternmitarbeit gemacht werden. Dazu ist eine Öffnung von Schule im Sinne einer kontinuierlichen und angemessenen Information über die Grundzüge der Unterrichtsinhalte und Unterrichtsgestaltung sowie der Leistungsbewertung vonnöten. Dies erfolgt in der Regel in Elternversammlungen,  Elternsprechstunden und Hausbesuchen. Erst dann sind die Eltern in der Lage, wichtige Anregungen zur Arbeitsorganisation und zu Lernproblemen ihrer Kinder zu geben. Gemeinsam können nun die Ursachen für mögliche Lernrückstände ermittelt und geeignete Maßnahmen zur Lernförderung festgelegt werden. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu einer echten Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule.

 

 

 

 

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Pannen-Abi in Pasewalk: Was alles nicht passierte“ im Nordkurier vom 30.12.2019

 

Trotz autoritärem Führungsstil keine disziplinarrechtlichen Konsequenzen

Am Oskar-Picht-Gymnasium in Pasewalk ist ein Drittel des Jahrgangs durch das Abitur 2019 gefallen. Wo liegen dafür die Ursachen? Der Abschlussbericht des Evaluationsteams der Schulbehörden stellt fest, dass für die hohe Durchfallerquote nicht „pauschal“ die Schulleitung, die Lehrer oder die Schüler verantwortlich sind. Zugleich wird aber auch in diesem Bericht auf die schlechten Kommunikationsstrategien, auf erhebliche Defizite im Unterricht, auf mangelnde Förderung leistungsschwacher Schüler, auf die fehlende Kooperationskultur und auf ein vergiftetes Schulklima hingewiesen. Trotz dieser untragbaren Missstände an der Schule gab es jedoch bisher keine disziplinarrechtlichen Konsequenzen für die Schulleitung. So ist es für mich völlig unverständlich, dass die Schulleiterin nach wie vor im Amt bleiben darf. Denn diese offenkundige Schulmisere am Oskar-Picht-Gymnasium ist aus meiner Sicht das Ergebnis eines autoritären und diktatorischen Führungsstils durch die Schulleiterin. Nur ein solcher Führungsstil kann Machtmissbrauch, Angst vor Repressalien, Vertrauensverlust, Verstöße gegen das Schulgesetz (zum Beispiel  gegen die Mitwirkungsrechte), Duckmäusertum und Arbeitsunzufriedenheit erzeugen und schadet dem Ansehen der Schule. Gute Schulleiter mit Führungsverantwortung helfen allen Lehrkräften, die Verantwortung für ihre Lehrtätigkeit und den Lernerfolg ihrer Schüler zu übernehmen. Entscheidend dabei ist die unterrichtsbezogene Führung durch die Schulleitung, die ihren Hauptschwerpunkt auf die Schaffung eines störungsfreien Lernklimas, auf ein System klarer Lernziele und effektiver Lernmethoden sowie auf hohe Erwartungen an Lehrpersonen und Lernende richtet. Sie schafft ein Umfeld, in dem Unterrichtsbeurteilung, Beratung und die Unterstützung schlechter Lehrer möglich sind. Je mehr sich die Schulleitung auf die Fortbildung und Verbesserung des Lehrens der Lehrkräfte konzentriert, desto größer ist ihr Einfluss auf die Schülerleistung. Führung bedeutet nicht, alles alleine zu bestimmen, immer Recht zu haben und autoritäre Anordnungen zu treffen, sondern gemeinsam nach Entwicklungs-  lösungen zu suchen. Das verlangt vor allem eine stark ausgeübte Kompetenz des Führens durch Kommunikation. Ein guter Schulleiter orientiert sich bei seinen Entscheidungen an seinen besten Lehrern und hilft den schwächeren Lehrkräften, sich zu guten Lehrern zu entwickeln. Nur so wird Schule insgesamt erfolgreich, denn gute Lehrer sind entscheidend für guten Unterricht- und Schulentwicklung bedeutet vor allem Weiterentwicklung der Unterrichtsarbeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Vergurktes Abi: Liegt es an den Schülern selbst oder an der Politik?“ im Nordkurier vom 27.03.2019 und zum Leserbrief „Plötzlich so viele Kluge“ im Nordkurier vom 08.04.2019

Weniger Abitur, mehr Aufwertung der Regionalschule

Die Öffnung der Gymnasien für immer mehr Schüler führt momentan dazu, dass das Gymnasium einen Qualitätsverlust erleidet, was sich sowohl im Absenken fachlicher Abituransprüche als auch in der Durchfallerquote beim Abitur zeigt. Denn gegenwärtig muss sich das Gymnasium mit einem großen Anteil von Schülern abgeben, die weder den  notwendigen Leistungswillen noch die entsprechende Begabung mitbringen. Studien belegen, dass etwa 20 Prozent der Gymnasiasten nicht einmal das mittlere Niveau von Realschülern erreichen. Hier besteht eindeutig ein negativer Zusammenhang zwischen der Expansion des Gymnasiums und dem Leistungsabfall von Schülern. Zudem sei ein Teil der Gymnasiallehrer nicht ausreichend in der Lage, den Unterricht gemäß den individuellen Lernvoraussetzungen der unterschiedlichen Lerner didaktisch und methodisch wirksam zu gestalten. Bei der Wahl des Gymnasiums als weiterführende Schule ab Klasse 7 stimmt der Elternwille oft nicht mit der Schullaufbahnempfehlung der Regionalschule überein; denn die Entscheidung für den Bildungsgang treffen letztlich die Eltern. Die Folge zahlloser Fehlentscheidungen bei der Schulartwahl: Viele Schüler erleben über Jahre hinweg Lernstress und Misserfolge, schaffen ihre Aufgaben nur mit ständiger Unterstützung und  verlieren schließlich ganz die Lust am Lernen. Mit Blick auf den wachsenden Run auf die Gymnasien plädiere ich deshalb für konkrete Zugangsvoraussetzungen mit klaren Leistungsparametern, so dass der Anteil an Gymnasiasten geringer wird. Dies würde das Lernniveau sowohl an den Gymnasien wie auch an den  Regionalschulen heben. Ansonsten werde sich der Ansturm auf das Gymnasium als neue Volksschule weiter verstärken und die Regionalschule würde sich immer mehr zu einer unattraktiven Restschule entwickeln, in der es ab Klasse 7 zu einer zunehmenden Konzentration der lernschwächeren und verhaltensauffälligen Schüler käme. Und das, obwohl der mittlere Bildungsweg mit dem Realschulabschluss eigentlich im Interesse einer erfolgreichen  Berufsausbildung aufgewertet werden soll.

 

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Leserbrief zum Beitrag „Walser zieht eine poetische Bilanz und würdigt Merkel“ im Nordkurier vom 20.11.2018

Die Bundeskanzlerin als Verkündigerin von Allgemeinplatz-Worten

 Bei der Premiere seines Buchs „Spätdienst“ würdigte der Schriftsteller Martin Walser die Redekunst der deutschen Regierungschefin. Dabei lobte er insbesondere „ (d)ie allmähliche Verfertigung ihrer Gedanken beim Reden“, was „für den Zuschauer spannend“ ist. Bekanntlich heißt sprechen, Kontakte herzustellen, Beziehungen einzugehen und damit verbunden, auch Deutlichkeit sowie Verständlichkeit zu vermitteln. Aber die Bundeskanzlerin will meines Erachtens weder Kontakt noch gar Beziehungen, wie man beispielsweise beim „Bürgerdialog“ mit der Kanzlerin in verschiedenen deutschen Städten beobachten konnte. Ihre Sprache ist oftmals unkorrekt und ungenau; klarer Ausdruck ist eher selten. Sprachliche Originalität, Ambitionen und Emotionalität? Fehlanzeige. Angela Merkel will nie zu viel verraten, will ihre Politik nicht wirklich erklären – das verleiht ihren öffentlichen Auftritten Spannung, vor allem, wenn weittragende politische Entscheidungen anstehen. Meistens wird man jedoch enttäuscht: Wieder hat man kaum etwas Konkretes erfahren, wobei die Realität einfach ausgeblendet wird. Die Öffentlichkeit versucht dann, ihre „Ansprachen“ zu deuten; dabei kommt es aber zu Missverständnissen. Ihre politische Sprache ist die der Verkündung und die dazu verwendeten Behauptungen sind vorgefertigte Standardsätze, die auf Stichwort abgespult werden. Viele Redepassagen sind meiner Meinung nach „reine Worthülsen“, die ihr im politischen Sprachgebrauch als unverbindliche Absichtserklärungen dienen, um sich später alle Optionen offen zu halten und sich nicht angreifbar zu machen. Diese linkische Sprache der deutschen Kanzlerin ist unkonkret und fahrlässig und macht Menschen gegen das Gesagte misstrauisch. So sagte sie beispielsweise: „Wenn wir ein Land sein wollen, in dem wir ein Herz für Schwache haben, dann brauchen wir auch ein Herz für Leistung.“  Denn: „So können wir den Starken im Land wieder helfen und dann auch den Schwachen in diesem Land.“ „Wir lassen nicht zu, dass Deutschland an die Wand gefahren wird.“ Nicht jeder Politiker kann über die glänzende Redekunst des ehemaligen  Bundestags- präsidenten Norbert Lammert verfügen. Aber man muss doch erwarten können, dass die Bundeskanzlerin die politischen Entscheidungen präzise und verständlich kommuniziert und dabei Klartext spricht.

 

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Leserbrief zum Bericht „Ministerin ist ganz zufrieden mit sich“ im Nordkurier vom 13.09.2018 und zum Leserbrief „Weniger, unglückliche, Lehrer“ im Nordkurier vom 21.09.2018

Ohne Lehramtsbefähigung vor einer Klasse stehen – eine Notmaßnahme mit Gefahren 

Ohne Lehramt vor die Klasse. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sollen Seiteneinsteiger – etwa ein Drittel aller Neueinstellungen – den dramatischen Lehrermangel beheben. Damit sie überhaupt vor einer Klasse bestehen können, erhielten sie zu Beginn dieses Schuljahres einen dreiwöchigen Crashkurs in Pädagogik und Didaktik; anschließend müssen sie sich fehlende pädagogische und fachliche Kompetenzen berufsbegleitend aneignen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, wie Personen, die weder das Fach, das sie unterrichten, studiert haben, noch eine Ausbildung in Pädagogik vorweisen können, die Unterrichtsqualität sichern sollen. Und das, obwohl jede Schule solche Herausforderungen wie Integration, Inklusion, Digitalisierung, Ganztagsschule und individuelle Förderung meistern muss. Wie soll dies gelingen – ohne professionell ausgebildete Lehrer? Seiteneinsteiger können Schüler zwar beaufsichtigen, aber nicht fachgerecht und individuell unterrichten. Ansonsten drohen massive Qualitätsverluste in der Bildung und eine Entprofessionalisierung des Lehrerberufes. Die aktuelle Unterrichtspraxis zeigt ganz klar: Für das Anregungspotenzial des Unterrichts, für die konstruktive Unterstützung bei Lernschwierigkeiten und den Leistungsfortschritt aller Schüler ist fachdidaktisches, fach-methodisches und fachwissenschaftliches Wissen und Können entscheidend, was aber nur im mehrjährigen Studium und im Vorbereitungsdienst (Referendariat) erworben werden kann. Ohne Lehramtsbefähigung und ohne pädagogische Qualifizierung ist also kein Seiteneinsteiger wirklich in der Lage, Lernerfolge bei den Schülern zu erzielen. Leidtragende dieser Bildungsmisere sind dann immer die Schüler, vor allem die verhaltensauffälligen oder lernbehinderten Kinder. Es gibt nur einen Ausweg aus dieser derzeitigen Personalnot: Wir brauchen weitaus mehr vollständig ausgebildete Lehrer, die nicht nur Fachkenntnisse besitzen, sondern auch wissen, wie man diese erfolgreich an die Schüler vermittelt. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag “Krankenstand bei Lehrern klettert auf Rekordniveau„ im Nordkurier vom 14.02.2018

Lehrergesundheit – wichtiger Baustein einer guten Schule

Stark belastet, gestresst und erschöpft: Aktuelle Zahlen untermauern alarmierende Tendenzen in der Lehrergesundheit. So leidet etwa jeder dritte Lehrer im Laufe seines Berufslebens an Burnout. Die unter 30-Jährigen klagen genauso häufig über Erschöpfung, Unruhe und Frust wie die über 50-Jährigen. Mehr denn je sehen sich die Lehrer heutzutage vielen Anforderungen ausgesetzt, denen sie  kaum noch gerecht werden können. Für zusätzlichen Stress sorgen beruflicher Ehrgeiz und Perfektionsstreben bei gleichzeitiger fehlender Wertschätzung durch die Schulleitung. Zu den Belastungsfaktoren zählen wohl auch der permanente Zeitdruck, fehlende Erholungspausen sowie unmotivierte und respektlose Schüler. Vielfach schlägt sich dies auf die Lehrergesundheit nieder, was zu erhöhten Krankheitsausfällen und somit zu Unterrichtsausfall für die Schüler führt. Bekanntlich hat die Gesundheit der Lehrer zudem einen gravierenden Einfluss auf die Klassen-führung und Unterrichtsqualität. Wer also volle Leistung bringen will, muss sich gesund, fit und belastbar fühlen. Die Verantwortung für die eigene Gesundheit liegt demnach nicht nur bei den Lehrern selbst, sondern auch bei denen, die das Maß der Belastung zu verantworten und über Entlastungsstrategien zu entscheiden haben. Ressourcen für die Verringerung der gesund-heitlichen Belastungen an der Schule sehe ich besonders in der Reduzierung der außer-unterrichtlichen Aufgaben, in der Verbesserung des Zeitmanagements sowie des Schul-und Klassenklimas und in der wirksamen Hilfe bei Konflikten mit schwierigen Schülern und Klassen. Es gibt also dringenden Handlungsbedarf, ansonsten können Überlastung, Stress und Frust zu noch mehr Demotivation und Resignation beitragen.

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Lehrer vor der Kapitulation“ im Nordkurier vom 07.02.2018

Lernbehinderte auf dem Altar der Inklusion opfern

Lernbehinderte und nicht lernbehinderte Schüler werden auch in Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam unterrichtet. Aber so, wie die staatlich verordnete Inklusion in Grund- und Regionalschulen derzeit betrieben wird, muss sie scheitern. Meistens sind diese Schulen guten Willens, Schüler mit einer Lernbehinderung zu integrieren. Doch vielen Lehrern fehlt das sonderpädagogische Wissen, wie man mit Kindern umgeht, die so gar nicht im Gleichtakt des Lehrplans mitlaufen, geschweige denn mit solchen, die durch ihr aggressives Verhalten den Unterricht stören. Es mangelt an Sonderpädagogen, es fehlen Lehrbücher, Räume, Standards, Lernkonzepte und Angebote für Fortbildungen. Und viele Schulen fühlen sich mit diesen Problemen alleingelassen. Das Schlimmste ist: Inklusion kann sogar massiv schaden. So wie die jetzige Praxis läuft, gefährdet die Inklusion nicht nur den Lernerfolg der lernbehinderten Schüler, die nicht mehr so eine spezielle Förderung erhalten wie in Förderschulen, sondern auch den der übrigen Schüler der Klasse, die weniger Lernstoff schaffen. Viele Lehrer beklagen hier einen schleichenden Niveauverlust. Wenn das lernbehinderte Kind dem Unterricht nicht folgen kann, besteht zudem die Gefahr, dass es sozial vereinsamt, sich ausgegrenzt fühlt und störendes Verhalten zeigt. Da sich die meisten Gymnasien der Inklusion entziehen, tragen die Regionalschulen die Hauptlast. Und das, obwohl sie sich ohnehin schon um viele Problemschüler mit Lern- und Verhaltensstörungen kümmern müssen. Viele Lehrkräfte fühlen sich in der inklusiven Unterrichtspraxis völlig überfordert. Natürlich soll sich der Lehrer im Unterricht didaktisch auf das einzelne Kind einstellen. Aber dies funktioniert nur, wenn die Schüler einen ähnlichen Leistungsstand haben. Es ist völlig illusorisch zu glauben, ein Lehrer könne für jeden Schüler einen eigenen Lehrplan entwickeln und ihn dann individuell fördern. Schüler mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf sind deshalb in speziellen Förderschulen mit kleinen und homogenen Klassen besser aufgehoben, wo eine gezielte,  individuelle Hilfestellung durch erfahrene Sonderschullehrer erfolgt.

 

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Leserbrief zum Beitrag „Diese Sorgen plagen unsere Schüler“ im Nordkurier vom 20.04.2017

Schulversagen häufig Ursache für Mobbing

Schüler in Deutschland sind überwiegend zufrieden mit ihrer Schulsituation; dennoch belasten sie Mobbing und Versagensängste. Dies ist das Ergebnis einer Sonderauswertung der PISA-Studie zur Schulzufriedenheit, die dem deutschen Schulsystem erneut ein schlechtes Zeugnis ausstellt. Mobbing ist also kein Randphänomen. Nimmt man alle Mobbingformen zusammen, liegt der Anteil der Schüler, die mehrmals im Monat Opfer von Mobbing werden, bei 16 Prozent.  Nach meiner Ansicht steigert die Schule die Mobbingimpulse von Schülern vor allem mit einer Überbetonung des Leistungsdrucks und mit mangelnder Anerkennung der Lernschwachen. So ist Schulversagen die häufigste innerschulische Ursache für Mobbing und Gewalt. Verzeichnen Schulen überproportional viele Mobbing-Fälle, geht das mit einer Verschlechterung des Lernklimas, des Lernerfolgs und des Wohlbefindens einher. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Schule allen Schülern gleiche Chancen einräumt. Dazu gehören klare Regeln für das soziale Gemeinschaftsleben und eindeutige Kriterien für die Leistungsbewertung, die von allen durchschaut werden können. Das Phänomen „Mobbing“ an Schulen spielt sich meines Erachtens weitgehend im Verborgenen ab. So existiert an fast jeder Schule eine nicht unerhebliche Grauzone, die von den Lehrern nicht eingesehen, geschweige denn kontrolliert wird. Das betrifft auch die sogenannten „Beichtstühle“ im Netz, wo namenlose Beiträge verbreitet werden. So haben immer mehr Schulen Foren bei Instagram, in denen anonym über Schüler und Lehrer der Schule gelästert wird. Angesichts des Ausmaßes an Mobbing-Delikten ist es unerlässlich, dass Lehrer und Eltern dem Thema „Mobbing“ mit hoher Aufmerksamkeit und Sensibilität  entgegentreten. Lehrer sollten auf Mobbing-Attacken zeitnah und konsequent mit Sanktionen reagieren, diese Vorfälle so schnell wie möglich offenlegen und in der Klasse sorgfältig aufarbeiten. Eltern müssen auf das Wohlbefinden und den Lernerfolg ihres Kindes in der Schule noch viel stärker Einfluss nehmen, mehr Transparenz fordern, häufiger mit ihren Kindern über Schule sprechen und den individuellen Austausch mit den Fachlehrern suchen. Schule muss ein Ort der Vielfalt, Akzeptanz und des Wohlfühlens sein. Physisches und verbales Mobbing durch Mitschüler darf nicht zum Schulalltag gehören.

 

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Leserbrief zum Beitrag „ Eine gerechte ,Bildungsrepublik,?“ im Nordkurier vom 02.03.2017

Soziale Herkunft prägt den Lernerfolg in der Schule

Ungerechtigkeit bleibt das Markenzeichen des deutschen Bildungssystems, das zu viele Sitzenbleiber, Schulabbrecher und Schüler mit einem  Förderbedarf produziert. Denn laut der Studie „Chancenspiegel 2017“ der Bertelsmann-Stiftung haben die Schulen in Deutschland bei der Chancengerechtigkeit weiterhin Nachholebedarf. Noch immer wird der Schulerfolg eines Kindes wesentlich von der sozialen Herkunft und der Vorbildung seiner Eltern geprägt. Die akademisch gebildeten Eltern kümmern sich darum, dass ihre Kinder zielgerichteter lernen, den „Königsweg“ Gymnasium wählen und das Abitur machen. Sie gleichen Lerndefizite durch persönliches Engagement, Zusatzangebote oder teuren Nachhilfeunterricht aus. Eltern jedoch, die einkommensschwach sind und mit dem Lernen selbst Schwierigkeiten haben, sind dazu nicht in der Lage. Die Aufgabe der Schule muss es deshalb sein, für vergleichbare Bildungschancen zu sorgen, nachteilige Lernausgangslagen auszugleichen und ein höheres Maß  an Lernfähigkeiten zu vermitteln. Dazu ist es unerlässlich, dass insbesondere die leistungsschwächeren Schüler frühzeitig und gezielt individuelle Lernhilfen erhalten und so bessere Lernleistungen erreichen können. Aber wenn die individuelle Förderung der Risikoschüler nicht vorangetrieben und in allen Schularten verankert wird, werden sich die Unterschiede zwischen den Kindern aus bildungsnahen und bildungsfernen Schichten noch vergrößern. Daher gilt es, vor allem den vielen potenziellen Schulabbrechern ( 9,2% in MV ) und Sitzenbleibern ( 4,0% in MV ) sowie den Kindern mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf ( 11,0% in MV ) im Klassenunterricht und im Förderkurs durch unterschiedliche Aufgabenstellungen, Lernmethoden und Zeitvorgaben individuelle Hilfen zu geben. Das erfordert aber mehr Lehrer, Sozialarbeiter und sinnvolle Förderprogramme besonders für den Nachmittag, damit die Ganztagsschule auch wirklich ihren pädagogischen Auftrag voll entfalten kann.

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Linke beklagen zu große Schulklassen im Land“ im Nordkurier vom 04.02.2017

Große Schulklassen verschlechtern die Arbeitsbedingungen für Lehrer und Schüler

 Die Bildung großer Schulklassen in Mecklenburg-Vorpommern führt zu einem Bildungsnotstand an den Schulen und ist Ausdruck einer schlechten Schulpolitik. Die aktuelle Unterrichtspraxis zeigt, dass sich zu große Schulklassen letztendlich ungünstig auf das Lehren und Lernen auswirken. Denn diese Klassen haben vor allem einen negativen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen der Lehrer und Schüler. Die Reduzierung der Klassengröße könnte zu einem individuelleren Unterricht, einer höheren Unterrichtsqualität, zu weniger Störungen und zu einer intensiveren Mitarbeit der Schüler führen. Zudem könnte es in kleineren Klassen ein differenzierteres Feedback, mehr Interaktion unter Lernenden und eine vermehrte Diagnose der Lernleistungen geben. Aber bislang deuten Unterrichtsergebnisse darauf hin, dass trotz einer Verkleinerung der Klassengröße nur geringe Lerneffekte erzielt werden. Die Gründe dafür sehe ich darin, dass die Lehrer kleinerer Klassen dieselben Lehrstrategien wie die Lehrer großer Klassen anwenden und dass sie damit die Chancen, die sic h ihnen durch die geringere Zahl von Schülern bieten, ungenutzt lassen. Die bloße Reduzierung der Anzahl der Lernenden in einer Klasse führt nicht automatisch zu besseren Lernleistungen. Solche Einflussfaktoren guten Unterrichts wie klare Strukturierung des Unterrichtsverlaufs, hoher Anteil echter Lernzeit, inhaltliche Klarheit und Methodenvielfalt müssen hinzukommen. Dazu ist es aber notwendig, die Lehrer für ihre Unterrichtsarbeit mit kleineren Klassen entsprechend fortzubilden. Die fachlich gut ausgebildeten Lehrkräfte mit ihren Lehr-und Lernstrategien sind also der Schlüssel zu besserem Lernerfolg der Schüler. Immer mehr Wissenschaftler fordern deshalb in regelmäßigen Abständen die Evaluation der Unterrichts-qualität der Lehrer und die Intensivierung ihrer didaktisch-methodischen Fortbildung.

 

 

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Leserbrief zum Beitrag  „Bereit für den Sprung in die dritte Sportstunde“ im  Nordkurier vom 13.01.2017

Den Sportunterricht in den Schulen aufwerten

 Der Sportunterricht ist nach wie vor das Stiefkind der Bildungspolitik. Mitunter wird nur eine Stunde Sport pro Woche erteilt; deutschlandweit fällt im Durchschnitt jede vierte Sportstunde aus. Abgehalten wird der Sportunterricht oftmals von fachfremden Lehrern. Wen wundert das? Wird doch der Schwerpunkt der Schulbildung von Politikern und Schulverantwortlichen eindeutig auf die kognitiven Fähigkeiten gelegt. Dabei unterschätzen sie das enorme Potenzial, das gerade die Bewegung auch für die Lernförderung bietet. Seit etwa 23 Jahren entwickelt sich die physische Leistungsfähigkeit von Schülern in Mecklenburg – Vorpommern rückläufig. In einigen Disziplinen ist das Leistungspotenzial um bis zu 20 Prozent abgefallen. Gleichzeitig ist der Anteil der übergewichtigen Jugendlichen gestiegen. Jedes „fünfte Kind ist an Adipositas erkrankt“ und gilt als fettleibig.  Sportwissenschaftler, Mediziner und Sportlehrer machen regelmäßig auf enorme Defizite bei Kondition, Fitness und Koordination aufmerksam. Viele Schüler sind körper-lich kaum noch belastbar. So sind die Sportlehrer gezwungen, ihren Unterricht den mangelnden körperlichen Voraussetzungen der Heranwachsenden anzupassen. Übergewicht und motorische Mängel sind auch die Hauptursachen für das Ansteigen der Schulsportunfälle. Immer mehr Schüler mit physischen Leistungsschwächen werden allzu oft  ganz oder teilweise vom Sport-unterricht befreit. Wie lässt sich nun dieser beängstigende Trend stoppen? Entscheidend ist, dass der Stellenwert des Schulsports verbessert und ein sportfreundliches Klima an den Schulen geschaffen wird. Zudem ist die Zahl der Sportstunden auch ab Klassenstufe 7 unbedingt von zwei auf drei Stunden pro Woche zu erhöhen und der  Neigungs- sowie Wahlpflichtunterricht fest in den Schulsport zu integrieren. Unerlässlich ist aber vor allem ein gut ausgebildeter  Sportlehrer, der einen  engagierten Unterricht erteilt und dabei seine Schüler für die Bewegung begeistern kann und sie zu Erfolgserlebnissen führt. Inaktive Schüler können nur dann einen Bewegungs-drang entwickeln, wenn sie erfahren, dass Sport nicht nur zur Fitness beiträgt, sondern auch Spaß machen kann.

 

 

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Linke fordert ein Referendariat für Seiteneinsteiger in den Lehrer-Beruf“ im Nordkurier vom 19.12.2016

Bildungsqualität durch Seiteneinsteiger ohne Lehramtsbefähigung und Referendariat in Gefahr

Ohne Ausbildung ins Klassenzimmer. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sollen Seiteneinsteiger den dramatischen Lehrermangel beheben. Dabei stellt sich mir die Frage, wie Personen ohne Lehramtsprüfung und ohne Referendariat die Unterrichtsqualität sichern sollen. Und das, obwohl der Anteil der Sitzenbleiber, der Schulabbrecher und der Kinder mit Förderbedarf weiter gestiegen ist. Meiner Meinung nach können Laienlehrer Schüler zwar beaufsichtigen, aber nicht fachgerecht und individuell unterrichten. Ansonsten befürchte ich eine Aushöhlung der Unterrichtsqualität und eine Entprofessionalisierung des Lehrerberufes. Damit Amateure  überhaupt „fachgerecht“ lehren können, müssten die Stammlehrkräfte der Schule deren Unterricht zusätzlich mit planen und vorbereiten helfen, was allerdings zu weiterer Überlastung der Stammlehrer und damit verbunden wiederum zu krankheitsbedingtem Unterrichtsausfall führen könnte. Neben ihrer eigenverantwortlichen Lehrtätigkeit müssen die Seiteneinsteiger parallel ein berufsbegleitendes Referendariat absolvieren, wofür ihnen aber auch ausreichend Zeit zur Verfügung stehen sollte. Leistungsstudien zeigen ganz klar: Für das Anregungspotenzial des Unterrichts, die konstruktive Unterstützung bei Lernschwierigkeiten und den Leistungsfortschritt aller Schüler ist fachdidaktisches und fachwissenschaftliches Wissen und Können verantwortlich, was aber nur im Studium und im Referendariat erworben werden kann. Ohne Lehramtsbefähigung und pädagogische Qualifizierung ist kein Seiteneinsteiger in der Lage, erfolgreich zu unterrichten. Leidtragende dieser Unterrichtsmisere sind dann immer die Schüler. Es gibt nur einen Ausweg für die lückenlose Unterrichtsversorgung: Es sind mehr klassische Lehrer einzustellen.

 

 

 

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Leserbrief zum Bericht „Lehrer werden zunehmend Opfer von Schülergewalt“ im Nordkurier vom 15.11.2016 und zum Leserbrief „Lehrer brauchen mehr Unterstützung von der Politik“ im Nordkurier vom 21.11.2016

Zum offensiven Umgang mit Schülergewalt an Schulen

Gewalt gegen Lehrer ist kein Einzelproblem. Nach einer neuen Forsa-Umfrage haben verbale und tätliche Angriffe auf Lehrer bundesweit in den vergangenen fünf Jahren drastisch zugenommen. So sagten die befragten Lehrer, dass an ihrer Schule Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt und belästigt wurden. Sechs von hundert Lehrern wurden sogar schon körperlich von Schülern angegriffen. Und das, obwohl der Schulleiter verpflichtet ist, in Wahrnehmung seiner Fürsorgepflicht dafür zu sorgen, dass kein Lehrer während seiner Schulzeit psychisch oder physisch zu Schaden kommt. Bei Gewaltvorfällen fühlen sich allerdings viele Lehrkräfte alleingelassen; Schulleitungen und Schulaufsichtsbehörden nehmen sich dieser Problematik nicht ausreichend an. Mehr als 57 Prozent der Befragten beschreiben Schülergewalt gegen Lehrer als „Tabu-Thema“. Gewaltdelikte gegen Lehrkräfte werden häufig als Bestandteil des Lehrerberufes abgetan oder aus Angst vor negativer Publicity als bedauerliche Einzelfälle bagatellisiert oder verschwiegen. Um hier gegenzusteuern, dürfte die Gewaltthematik jedoch nicht länger tabuisiert werden. Notwendig ist, Gewaltvorfälle „verpflichtend zu dokumentieren“, diese sofort der Schulleitung zu melden und sich mit ihnen zeitnah und offensiv auseinanderzu-setzen. Besonders wichtig erscheint mir dabei eine konkrete Handreichung mit Präventions-hinweisen und verbindlichen Handlungsanweisungen für den Umgang mit Gewaltdelikten. Die Schule muss auf strafbare Delikte gegenüber Lehrern schnell und konsequent mit einem abgestuften Instrumentarium der Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen reagieren oder nötigenfalls die Strafverfolgungsbehörden verständigen. Denn gewalttätige Schüler stellen oftmals eine erhebliche Belastung des Schulalltags dar, so dass unsichere Lehrer eine regelrechte Angst vor dem Unterricht in bestimmten Klassen entwickeln. Autoritätsverlust, Rückzugsverhalten und Dienstunfähigkeit sind dann die fatalen Folgen. Auch die Eltern sind in die Pflicht zu nehmen: Sie müssten zu Hause die Bedeutung von Schule und die Wertschätzung gegenüber Lehrern viel stärker vermitteln.

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Lehrer wird selbst zum Nachsitzen verdonnert„ im Nordkurier vom 25.08.2016

 Lehrer wegen Freiheitsberaubung verurteilt

 Gelegentlich gehen Lehrer mit übergroßer Strenge gegen Schüler vor. Selten wird ein derartiger Fall außerhalb der Schule bekannt. Und noch seltener muss sich ein Lehrer deshalb vor Gericht verantworten. Jüngst allerdings saß ein Musiklehrer einer Realschule in Kaarst wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung auf der Anklagebank des Neusser Amtsgerichts. Letztendlich wurde der Angeklagte zu einer „Verwarnung mit Strafvorbehalt“ verurteilt, zu 1000  Euro Geldstrafe, die entfällt, wenn er eine Fortbildung zum Umgang mit schwierigen Schülern absolviere. Dieses Urteil ist nach meinem Rechtsempfinden nachvollziehbar und erscheint mir angemessen. Die Anordnung des „Nachsitzens“, die die Schüler einer sechsten Klasse verpflichtet hatte, nach der letzten Unterrichtsstunde unter Aufsicht ihres Musiklehrers einen Wikipedia-Eintrag abzuschreiben, war als rechtmäßige Erziehungsmaßnahme zulässig. Denn es galt, Lernrückstände nachzuholen, die auf erheblicher Störung des Unterrichts beruhten. Hier handelte es sich also nicht um eine Freiheitsbeeinträchtigung, so dass die Schüler eine Begrenzung ihrer Entfaltungsfreiheit hinnehmen mussten. Allerdings wäre es unzulässig, die gesamte Klasse kollektiv nachsitzen zu lassen, wenn nicht nachweislich jeder einzelne Schüler an den Störungen beteiligt war. Das „Nachsitzen“ zum Nachholen schuldhaft versäumten Unterrichtsstoffes ist auch nur statthaft, wenn die Eltern der betroffenen Schüler darüber vorher informiert sind. Dies erfolgte jedoch im vorliegenden Fall nicht. Als unrechtmäßige „Maßnahme“ ist allerdings anzusehen, dass der Lehrer seine Schüler durch Versperren der Klassenzimmertür am Verlassen des Raumes gehindert hatte, um sie so zu zwingen, den Text abzuschreiben. Auch das unsanfte Zurückstoßen eines Schülers durch den Musiklehrer ist nicht gerechtfertigt und stellt eine „körperliche Züchtigung“ dar, denn der Lehrer befand sich in keiner Notwehr-oder Notstandssituation. Trotzdem sprach der Richter ihn vom strafrechtlichen Vorwurf der Körperverletzung im Amt frei.

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Leserbrief zum Beitrag „So mangelhaft sind Ganztagsschulen„ im Nordkurier vom 29.04.2016

Ganztagsschulen steigern fachliche Leistungen bei Schülern nicht

Mecklenburg-Vorpommern befindet sich keineswegs auf dem Weg zur Ganztagsschule, und nicht überall, wo Ganztagsschule drauf steht, ist auch Ganztagsschule drin. Doch die Schulversagerquoten, die Bildungsbenachteiligung von Kindern aus unteren sozialen Schichten und aus Migrantenfamilien sowie die Integration sonderpädagogisch bedürftiger Schüler verweisen geradezu auf Erfordernisse verstärkter Lernförderung. Aus Elternumfragen wird deshalb sichtbar, dass für die Ausgestaltung des ganztägigen Schulbetriebes den Eltern Haus-aufgabenbetreuung, individuelle Lernhilfe und erweiterte Lernangebote zunehmend wichtiger werden. Bei den Elternmotiven für den Ganztagsschulbesuch ihres Kindes stehen vor allem die Förderungsaspekte an der Spitze. Die „Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen„ verdeutlicht allerdings beträchtliche Defizite hinsichtlich der pädagogischen Wirkungen im Ganztagsbereich. Ganztagsangebote können zwar die Lernmotivation und das Sozialverhalten der Schüler fördern. Dass sie sich aber auch positiv auf die Lernleistungen auswirken, lässt sich nicht nachweisen. Selbst wenn die fachlichen Zusatzangebote eine besonders hohe Qualität aufwiesen oder die Schüler besonders intensiv teilnahmen, konnten die Forscher keine größeren Lernfortschritte im Vergleich zu den nichtteilnehmenden Mitschülern messen. Dies zeigt, dass die ausbleibenden Leistungszuwächse eventuell auf didaktische Schwächen der Lehrkräfte zurückzuführen sind oder darauf, dass die Lehrer ihre Angebote nicht konzeptionell mit dem Vormittagsunterricht verknüpfen. Meines Erachtens ist es aber notwendig, dass die Inhalte und Methoden der Nachmittagsangebote sowie spezifische Fördermaßnahmen auf den Fachunterricht abgestimmt werden, dass sie auf Bedarfe des regulären Unterrichts reagieren und auch wieder Rückwirkungen auf den Fachunterricht haben. In diesem Sinne ist der Entwicklung von Ganztagsschulen vor allem eine „qualitative Wende„ zu wünschen, die verbindliche Gestaltungsstandards beinhaltet. So wird es erst möglich, die Ganztagsschule präziser von Halbtagsschulen mit erweiterter  Betreuungs-funktion abzugrenzen.

 

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Leserbrief zu den Beiträgen “Schummelvorwürfe gegen deutsche Politiker“ und “Jagd auf Doktor Backhaus“ im Nordkurier vom 19.02.2016

Plagiatssucher nehmen Doktorarbeiten von Politikern erneut unter die Lupe

 Neue Plagiatsvorwürfe gegen Landwirtschaftsminister Till Backhaus und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Aktuell werden ihre Dissertationen erneut von Experten überprüft, nachdem Plagiatsjäger der Internet- Plattform „Vroni Plag Wiki“ ihnen mögliche Plagiate und Regelverstöße vorgeworfen haben. So liegen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass beide beim Verfassen ihrer Doktorarbeit in großem Stil geschummelt haben. In ihren Arbeiten sollen sie längere Passagen aus verschiedenen Textquellen fast wörtlich oder leicht verändert übernommen haben, ohne dass diese als Zitate gekennzeichnet sind. Trifft dies zu, wird hier eine generelle Arbeitsmethode deutlich, die als wissenschaftliches Fehlverhalten zu bezeichnen ist und sanktioniert werden muss. Haben Backhaus und von der Leyen den Doktortitel unrechtmäßig erworben, so sollte er ihnen entzogen werden. Dass Doktoranden fremde Texte als eigene Leistung ausgeben, liege nach Ansicht von Fachleuten oftmals an der mangelnden Fähigkeit, mit Literatur und Quellen richtig umzugehen, eigene Gedanken selbstständig zu formulieren und zusammenfassende Texte zu schreiben. Meines Erachtens sind Plagiate in der Wissenschaft kein Kavaliersdelikt – auch nicht für Politiker. Warum schreiben sie überhaupt eine Dissertation? Wollen sie sich mit dieser Arbeit weiter auf „Hochglanz polieren“ und sich mit einem akademischen Grad schmücken oder wollen sie wirklich wissenschaftlich etwas untersuchen? Bekanntlich dient gerade  Politikern die Promotion oft als „Türöffner“ für eine politische Karriere; werden sie doch dann im Politbetrieb ernster genommen. Die jüngsten Plagiatsfälle werfen zugleich aber auch Fragen der Urheberrechtsverletzung  auf. Wer in Doktorarbeiten Textpassagen Dritter ohne entsprechenden Quellenhinweis als seine eigene geistige Leistung ausgibt, macht sich gemäß dem Urheberrecht strafbar. Zivilrechtlich können demnach die Verfasser der wissenschaftlichen Publikationen, aus denen von der Leyen und Backhaus längere Textinhalte abgeschrieben haben, sogar auf Schadenersatz klagen. Noch gilt  für beide Politiker die Unschuldsvermutung. Allen im Raum stehenden Plagiats- Vorwürfen müsse nun aber im Detail nachgegangen werden.      

 Mit freundlichen Grüßen

 Dr. Burkhardt Loclair          

 

 

  

 

 

 

 

 

 

   

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag “Jeder siebte Schüler nimmt Nachhilfe“ im Nordkurier vom 28.01.2016

Nachhilfeunterricht muss vor allem in der öffentlichen Schule stattfinden

Privatstunden sind in. Was lange eher als Makel galt, ist zur gängigen Praxis geworden. Nachhilfeschüler werden immer jünger; sie kommen aus allen Schularten und sozialen Schichten. Nachhilfe nehmen auch immer mehr einkommensschwache Familien in Anspruch. In Mecklenburg-Vorpommern polieren fast 19 Prozent der Schüler ihr Wissen nach der Schule auf. Privat bezahlte Lerntrainer arbeiten dann außerschulisch nach, was der offizielle Schulunterricht nicht leistet. Schuld an der schleichenden Privatisierung des Unterrichts ist nach Meinung von Fachleuten die öffentliche Schule. Sie schafft es offenbar nur zum Teil, in der regulären Unterrichtszeit Lernvorgänge so zu gestalten, dass Schüler die erwarteten Leistungen erbringen. Der Bedarf an zusätzlicher Nachhilfe, sei es durch das Elternhaus oder durch kommerzielle Angebote, wird letztendlich also auch durch das staatliche Schulsystem produziert. Hier sind daher gezielte Anstrengungen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität zu fordern.  Wenn Eltern danach befragt werden, weshalb ihr Kind Nachhilfe braucht, werden folgende Gründe genannt: Die Stoffmengen wären zu umfangreich, die Kinder bekämen nicht ausreichend Zeit zum gründlichen Arbeiten, die Lehrer redeten zu viel, auf die langsamen Schüler werde zu wenig Rücksicht genommen, die Hausaufgaben könnten nicht allein bewältigt werden. Obwohl Eltern Ursachen für unzureichenden Unterricht erkennen, engagieren sie sich kaum für eine Unterrichtsverbesserung. Viele Lehrer erklärten die ausbleibenden Lernfortschritte mit einer negativen Arbeitshaltung der Schüler: mangelnder Fleiß, geringe Anstrengungsbereitschaft, fehlende Konzentration, wenig Interesse. Mit dieser Zuweisung der Schuld an die Schüler ersparen sich diese Lehrkräfte so die kritische  Auseinandersetzung mit ihrem Fachunterricht. Aber gerade sie als Lernhelfer sollten Verantwortung für das Lernen und den Lernerfolg übernehmen und individuelle Lernhilfe gewähren, vor allem bei Lernkrisen. Immer mehr Wissenschaftler fordern deshalb eine „Qualitätskontrolle“ der Lehrer. Denn für die Leistungen der Schüler, so die Analyse von Hattie, sei “die Ebene des Unterrichts“ maßgebend, also das Engagement, die Zeitnutzung und die fachliche Leistung der Lehrkräfte. Insofern ist es wohl notwendig, ihre Unterrichtsarbeit regelmäßig zu beurteilen und die didaktische Fortbildung zu intensivieren. Ein für Schüler verstehbarer Unterricht, der ihrem Aufnahmevermögen, ihrem Lerntempo angepasst ist und ihr Interesse weckt, trägt entscheidend dazu bei, dass außerschulischer Nachhilfeunterricht überflüssig wird oder nur in bestimmten Lernsituationen notwendig ist.

 Mit freundlichen Grüßen

 Dr. Burkhardt Loclair

  

 

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Leserbrief zum Beitrag “Abkupfern schon im Klassenzimmer“ im Nordkurier vom 08.02.2013

 

Der jüngste Plagiats-Fall um Annette Schavan macht auf grobe Verstöße gegen Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens aufmerksam. Denn in ihrer Dissertation seien in nicht geringem Umfang ungekennzeichnete wörtliche Übernahmen fremder Texte ohne Quellenangaben zu finden. Plagiate sind aber auch an Schulen und Hochschulen ein ernstzunehmendes Problem. So geben unter den Schülern und Studenten rund 20 Prozent an, bereits Arbeiten abgegeben zu haben, die ganz oder teilweise aus dem Internet stammen. Keine Frage – das Medium Internet ist ein sehr nützliches Hilfsinstrument, aber die Web-Angebote verführen auch zum Mogeln. Dass junge Leute fremde Texte als eigene Leistung ausgeben, liege nach Ansicht von Experten an der mangelnden Fähigkeit, mit Literatur und Quellen richtig umzugehen, eigene Gedanken selbstständig zu formulieren und zusammmenfassende Texte zu schreiben. Sollen die Heranwachsenden ihre Schreibdefizite und Formulierungsschwächen überwinden, müsste insbesondere der Unterricht in allen Schulfächern noch stärker zur Förderung der muttersprachlichen Schreibkompetenzen beitragen. Dabei sollte vor allem dem Schreiben und Überarbeiten eigener Texte eine größere Rolle beigemessen werden. Um dem Abschreiben vorzubeugen, ist es aber auch wichtig, eine kontinuierliche Betreuung und mehr Kontrollen zu gewährleisten. So ist es die Pflicht der Lehrkräfte, sich regelmäßig über den Fortgang der Arbeit zu informieren, über inhaltliche Fragen zu beraten und auf Defizite im Umgang mit Texten fremder Autoren hinzuweisen.  

Mit freundlichen Grüßen  

Dr. Burkhardt Loclair

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Leserbrief zum Beitrag „Gutachter sind auf Plagiate aufmerksam geworden“ im Nordkurier

Defizite im Umgang mit Texten fremder Autoren

Die jüngsten Plagiats-Fälle um Guttenberg und Koch-Mehrin machen auf die grobe Verlet-zung wissenschaftlicher Standards aufmerksam. Für vorsätzliches Handeln sprechen dabei viele Indizien, unter anderem die Übernahme von Textpassagen ohne Quellenangabe, Umformulierungen der Originaltexte, Umstellungen im Satzbau und das Verwenden von Synonymen. Hier fehlt offensichtlich der Respekt vor dem geistigen Eigentum fremder Autoren. Plagiate sind aber auch an Schulen und Fach- sowie Hochschulen ein zunehmendes Problem. Unter den Schülern und Studenten geben rund 20 Prozent an, bereits Arbeiten abgegeben zu haben, die ganz oder teilweise aus dem Internet stammen. Referate werden zusammengegoogelt, Haus-und Jahresarbeiten einfach kopiert. Keine Frage – Netz und Computer sind nützliche Hilfsinstrumente, aber Web-Angebote verführen auch zum Schummeln. Ein abrupter Stilwechsel, Gedankensprünge oder Veränderungen in den Formatierungen sind deutliche Hinweise darauf, dass hier etwas abgeschrieben worden ist. Und das, obwohl sie erklären müssen, dass sie die Arbeit selbstständig und nur unter Verwendung der angegebenen Literatur und Hilfsmittel verfasst haben. Sollen die Heranwachsenden das Abgeschriebene genauer erläutern, wird schnell klar: Sie haben nicht verstanden, was sie aus dem Netz übernommen haben. Deshalb ist vor allem die Betreuung bei solchen Arbeiten zu intensivieren. So ist es die Pflicht der Lehrkräfte, sich regelmäßig über den Fortgang der Facharbeit zu informieren, sie über inhaltliche und organisatorische Fragen zu beraten und auf die Korrektur der Plagiatsstellen in der Arbeit hinzuweisen, bevor diese endgültig bewertet wird. Zugleich ist es notwendig, im Google-Zeitalter das Bewusstsein der jungen Leute für den Wert des geistigen Eigentums anderer zu schärfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Burkhardt Loclair

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Leserbrief zum Beitrag“ Mama pennt bis Mittag, und das Kind kommt nicht zur Schule“ im Nordkurier vom 28./29.03.2015

Schulschwänzen schwer gemacht

 

Im Land steigt die Zahl der Schulschwänzer. Es ist ein langsamer, aber stetiger Anstieg: Im Durchschnitt gehen mittlerweile rund drei Prozent der Kinder nicht regelmäßig zur Schule. Zu vermuten ist allerdings eine hohe Dunkelziffer, zumal Eltern in vielen Fällen das unentschuldigte Fehlen ihrer Kinder decken. Schulschwänzen ist also auch in Mecklenburg- Vorpommern keine Randerscheinung mehr. Grund genug für das Bildungsministerium, einen Maßnahmeplan gegen das Schwänzen zu erarbeiten. Verstöße gegen die Schulpflicht gelten als Ordnungswidrigkeiten und können laut Schulgesetz mit empfindlichen Strafen geahndet werden. Dazu gehören neben den Ordnungsmaßnahmen auch solche Sanktionen wie die zwangsweise Zuführung, Geldbußen gegen die Eltern oder Freiheitsstrafen bis zu sechs Monaten. Allerdings lehnen Experten diese Strafen in den meisten Fällen ab, weil sie den vielfältigen Ursachen für das Schwänzen nicht  gerecht werden. Bei Fehlstunden oder Fehltagen sind zunächst die Eltern aktenkundig zu informieren und ebenso wie die Schüler über mögliche Hilfsangebote und Konsequenzen des Schwänzens aufzuklären. Notwendig ist aber auch, dass Schulen, Bildungsministerium und Jugendämter die Gründe des Schulschwänzens analysieren, um dem Problem gezielt begegnen zu können. Diese Ursachen sind sehr unterschiedlich und reichen von Versagensangst, Bildungsperspektivlosigkeit, Mobbing durch Mitschüler und Lehrer, Vernachlässigung durch die Eltern bis zur Verweigerung. So vielfältig, wie die Gründe für die Schulvermeidung sind, müssen auch die Maßnahmen gegen das Schulschwänzen sein. Um die Schulschwänzer als Problemkinder frühzeitig zu erkennen, ist es vor allem wichtig, eine strikte Anwesenheitskontrolle für jede Unterrichtsstunde vorzunehmen und auf unentschuldigtes Fehlen konsequent zu reagieren, beispielsweise mit sofortigem Elternanruf bei Fehlstunden. Ansonsten verleitet ein unbemerktes oder folgenloses Fernbleiben von der Schule zum Wiederholen oder Nachahmen. Problematisch ist es, dass Lehrkräfte auf das Wegbleiben von Problemschülern viel zu oft nicht reagieren. So hätten 20 Prozent der für eine Studie befragten Schulschwänzer erklärt, dass ihre Lehrer bei Fehlstunden kei- nerlei Reaktion gezeigt hätten. Um das Problem des Schulschwänzens in den Griff zu bekommen, muss neben einer Aufmerksamkeitsoffensive vor allem auch die Attraktivität von Bildung deutlicher vermittelt werden.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Burkhardt Loclair   

 

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Leserbrief zum Beitrag „Etliche Gymnasiasten scheitern vor dem Abitur“ im Nordkurier vom 14./15.06.2014

Experten warnen im aktuellen Bildungsbericht vor Schließung der Förderschulen

 

Schüler mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam lernen. Hierzulande wird die Inklusion geradezu als pädagogisches Allheilmittel propagiert. Sie beherrscht zunehmend die Debatte, und wer dagegen Bedenken äußert, wird in die Ecke der herzlosen Inklusionsverweigerer ge-stellt. Doch nun mahnen Wissenschaftler vorsichtig zum Umdenken. Die Idee, Förderschulen grundsätzlich zu schließen und alle Kinder in den allgemeinen Schulunterricht zu integrieren, sei falsch. Das jedenfalls ist das Fazit, das die Autoren des in Berlin vorgestellten Bildungsberichts 2014 ziehen. Denn es geht doch vielmehr um die Frage, welche Schüler Sonderschul- einrichtungen brauchen. Die weiterführenden Schulen sind keine Kinder-Aufbewahranstalten und können angeborene beziehungsweise unverschuldete intellektuelle Defizite nicht ausgleichen. Der gemeinsame Unterricht ist nachteilig für alle Schüler.Die behinderten Kinder sind allzu oft überfordert und reagieren dann häufig aggressiv. Andererseits geht den nicht behinderten Schülern Förderpotenzial verloren.  Außerdem sind viele Lehrer in der Unterrichtspraxis völlig überlastet, denn sie sollen offenen, individualisierten Unterricht erteilen. Keiner hat etwas gegen eine Öffnung unserer Gesellschaft für Behinderte. Aber dass die zwangsweise Einführung  der schulischen Inklusion auf Kosten der klassischen Fördereinrichtungen dafür der Königsweg sein soll, das stellen inzwischen nicht nur Lehrer und Wissenschaftler, sondern auch betroffene Eltern infrage. Zudem liegen bisher keine überzeugenden wissenschaftlichen Forschungsbelege für den Erfolg der Inklusionspädagogik vor. Bundesbildungsministerin Wanka kündigte deshalb für 2015 ein Forschungsförderungsprogramm an, in dem  die Herausforderungen der Inklusion im Bildungssystem genauer untersucht werden sollen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 Dr. Burkhardt Loclair

 

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Leserbrief zum Beitrag „ Der schwere Weg zu gutem Unterricht“ im Nordkurier vom 18.11.2013

Die Lehrer sind der Schlüssel zum Lernerfolg von Schülern

Auch Bildungsminister Brodkorb kommt nicht an dem Bildungsforscher John Hattie vorbei.
Dieser hat nach Auswertung weltweiter Bildungsstudien 138 Faktoren herausgefiltert, die
guten Unterricht ausmachen. Ganz oben in seiner Liste steht der Lehrer. Hattie hat sich in
der Analyse der Studien insbesondere auf die Einzelfaktoren konzentriert, die den größten Einfluss auf den Lernerfolg in der Schule haben. Es geht dabei um den Wissenserwerb, um das Verstehen, Einprägen und Anwenden von Lerninhalten. Seiner Untersuchung zufolge wirken vor allem das klare Erklären und Vermitteln dieser Inhalte durch den Lehrer überdurchschnittlich gut auf den Lernerfolg. Es zahlt sich aus, den Unterricht so zu gestalten, dass die Lernenden den Stoff begreifen können. Der Lehrer leitet die Lernprozesse der Schüler an, kontrolliert deren Fortschritte, gibt Rückmeldungen, verändert eventuell seine Lehrstrategien. Entscheidend ist, dass die Lehrkraft ehrlich zu sich ist und sich immer wieder fragt: Verstehen die Schüler wirklich, was ich ihnen erkläre? Nach Hattie gibt es aber auch Faktoren, die sich ungünstig auf den Lernerfolg auswirken können. So können beispielsweise Klassengrößen und soziale Zusammensetzungen den Lernerfolg negativ beeinflussen, wo sie die Arbeits- und Lernbedingungen, das Lernklima in der Klasse verschlechtern. Die Reduzierung der Klassengröße führe in jedem Falle zu einem individuelleren Unterricht, einer höheren Unterrichtsqualität, zu weniger Störungen und zu einer intensiveren Mitarbeit der Schüler. Bei kleineren Klassen kann es aber auch ein differenzierteres Feedback und eine vermehrte Diagnose der Lernleistungen geben.

 

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Leserbrief zum Beitrag“ Immer mehr Quereinsteiger unterrichten“ im Nordkurier vom 23.08.2012

Unterrichtsgarantie durch Vertretungslehrer ohne pädagogische Ausbildung ?

Ab dem nächsten Schuljahr soll der Vertretungsunterricht an Grundschulen durch den Einsatz von Vertretungskräften flexibler gestaltet werden: Pensionäre, Lehramtsstudenten
und pädagogische Laien sollen kurzfristig einspringen, wo auch immer ein Lehrer ausfällt.
Grundsätzlich stehe ich dem Anliegen, Unterrichtsausfall zu vermeiden, positiv gegenüber
und begrüße die Maßnahme, externe Vertretungslehrer einzustellen. Dennoch stellt sich
mir die Frage, wie befristet angestellte Personen ohne Befähigung für ein Lehramt die
Unterrichtsqualität sichern sollen. Meiner Meinung nach können Laienlehrer Schüler zwar
beaufsichtigen, aber nicht fachgerecht und individuell unterrichten. Ansonsten befürchte
ich einen massiven Abbau der Unterrichtsqualität und eine „ Entprofessionalisierung“ des
Lehrerberufes. Damit Nichtlehrer überhaupt Vertretungsunterricht fachgerecht erteilen
können, müssten die Stammlehrkräfte der Schule diesen Unterricht zusätzlich planen und
vorbereiten, was zu weiteren Überlastungen der Stammkräfte und damit verbunden
wiederum zu krankheitsbedingtem Unterrichtsausfall führen könnte. Denn auch in der
Unterstufe sind pädagogische Professionalität und fachliche Kreativität gefordert. So zeigen Leistungsuntersuchungen ganz klar: Für das Anregungspotenzial des Unterrichts, die konstruktive Unterstützung bei Lernschwierigkeiten und den Leistungsfortschritt der Schüler sind spezifisches fachdidaktisches Wissen und Können verantwortlich. Dieses Wissen wird im Studium und Referendariat erworben. Fest steht: Ohne Lehrqualifikation und pädagogische Kompetenz ist keine Vertretungskraft in der Lage, 28 Kinder mit einer schwierigen Gruppendynamik in den Griff zu bekommen und erfolgreich zu unterrichten. Leidtragende dieser Unterrichtsmisere sind dann immer die Schüler. Es gibt nur einen Ausweg für die lückenlose Unterrichtsversorgung: Mehr „ klassische Lehrer“ einstellen.

 

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Leserbrief zum Interview mit Professor Peter Struck „Lehrer sollen Lernberater sein“ im Nordkurier vom 31. 03. 2006

Professor Struck: Lehrer betreiben „Osterhasen – Pädagogik“

Im Nordkurier-Interview plädiert Professor Peter Struck, Experte für Erziehungswissenschaft, leidenschaftlich für eine neue Lernkultur. Selbstständiges Lernen der Schüler, bei dem der Lehrer als „ Lernberater“ fungiert, soll an die Stelle des klassischen Frontalunterrichts treten, den Struck als „ Osterhasen-Pädagogik“ geißelt. Dass der lehrerzentrierte Unterricht so verbreitet ist, führt er darauf zurück, dass viele Lehrkräfte einem Belehrungs- und Lenkungsdenken verhaftet sind. Die Dominanz des frontalen Unterrichts wird von Struck mit der Ausbildung zu DDR – Zeiten und somit mit der psychischen Disposition der Lehrer erklärt. Tatsache ist aber, dass mit dem Frontalunterricht hierzulande etwa 85 Prozent des gesamten Unterrichts bestritten werden. Fakt ist auch, dass eine  Unterlegenheit dieses Unterrichtskonzepts in der Lernforschung bislang empirisch nicht belegt werden konnte. Deutlich wird: Professor Struck ist in einigen Fragen nicht auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Ich empfehle ihm deshalb, die neueren Ergebnisse der Unterrichtsforschung zur Kenntnis zu nehmen. So stellt der Pädagoge Hilbert Meyer in seinem Buch „Was ist guter Unterricht?“  bezüglich der beiden Unterrichtskonzepte fest: Lehrerzentrierter Unterricht ist erfolgreicher  beim fachlichen Lernen und offener Unterricht bei der Vermittlung von Methoden- und Sozialkompetenzen. Daher sollten mit Blick auf die anzustrebenden Lernziele beide Konzepte im Unterricht praktiziert werden. Mit seinen wissenschaftlich nicht haltbaren und unterrichtsfernen Aussagen erweist Struck seiner Argumentation keinen Gefallen. Was Not tut, ist keine Propaganda für utopischen Unterricht, sondern eine sachliche Diskussion über Unterrichtsgestaltung und -organisation. Vielleicht wird sich dabei ja herausstellen, dass Frontalunterricht sinnvoll und unverzichtbar ist, wenn er in Unterrichtsformen integriert wird, die Eigentätigkeit, Selbstverantwortung und Kooperation der Schüler fördern.

 

   

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Leserbrief zum Beitrag „Köhler: Bildung Schlüssel zum Erfolg“ im Nordkurier vom 19./20.7.2008

 Endlich mehr Bildung wagen

Bei seinem Besuch in Vorpommern machte Bundespräsident Horst Köhler wieder einmalauf die fehlende Chancengleichheit für alle Kinder in der Bildung aufmerksam.Ungerechtigkeit bleibt das Markenzeichen des deutschen Bildungssystems, das zu viele Sitzenbleiber, Schulabbrecher, Sonderschüler und viel zu wenig Abiturienten produziert. Für den Lernerfolg von Schülern und auch von Studenten ist hier zu Lande noch immerdas Elternhaus entscheidend. Denn in keinem anderen Industrieland der Welt ist der Bildungserfolg so abhängig vom Bildungsniveau und damit von der Unterstützung der Eltern wie in Deutschland. Für die Oberschichtkinder ist es beispielsweise selbstverständlich, dass sie nach der Orientierungsstufe den „ Königsweg“ Gymnasium wählen. Mögliche Lerndefizite ihrer Kinder gleichen die gebildeten Eltern mit teurer Nachhilfe, mit Zusatzangeboten oder durch die eigene Unterstützung aus. Eltern jedoch, die einkommensschwach sind und mit dem Lernen selbst Schwierigkeiten haben, sind dazu nicht in der Lage. Deshalb brauchen insbesondere die Unterschichtkinder gezielte Förderung und ganztägige Betreuung seitens der jeweiligen Schule, um so nachteilige Lernausgangslagen auszugleichen und damit Chancengleichheit zu gewähren. Verschiedene Studien zeigen, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg unabhängig von der Schulverwaltung und der Schulorganisation ist. Dies beweist: Wer nur Verwaltung und Organisation an den Schulen ändert, kommt nicht zu mehr Chancengleichheit in der Bildung. Die zentralen Fragen sind doch: Wie können Schüler den Stoff am besten lernen? Welche Lernmethoden sind wirklich erfolgreich? Wir brauchen deshalb eine Debatte über Unterrichtskonzepte, Lerninhalte und Methoden. Alle Kinder mitnehmen, keines zurücklassen und hohe Anforderungen an den gesamten Schülerjahrgang stellen- das ist von großer Wichtigkeit. Vor allem aber: Mehr individuelle Förderung der benachteiligten Schüler in kleinen Lerngruppen! Wenn unter 25 bis 30 Schülern Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwächen sitzen, dann kann man diese nicht in der Klasse lassen und zuschauen, wie die Leistungen immer schwächer oder die Auffälligkeiten immer stärker werden.

 

 

 

 

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Leserbrief zum Beitrag „Ausgebrannte und überforderte Lehrer“ im Nordkurier vom 17.07.2007

Lehrergesundheit: Mangelhaft

Überfordert, resigniert und ausgebrannt: Eine aktuelle Lehrerbelastungsstudie der Universität Greifswald untermauert alarmierende Tendenzen in der Lehrergesundheit. Die Fakten: Nur noch jeder Fünfte ist voll belastbar und mit der Arbeit zufrieden. Fast zwei Drittel der Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern gelten als Risikofälle für Selbstüberforderung oder Burn-out. Jeder vierte Lehrer engagiert sich beruflich weniger und schont sich in der Arbeit. Als Gründe für die schlechte gesundheitliche Verfassung der Lehrkräfte vermuten die Forscher die hohe Arbeitsbelastung, ein Übermaß an Verausgabung bei gleichzeitig fehlender Wertschätzung und Anerkennung ihrer Arbeitsleistung. Zu den Belastungsfaktoren im Lehrerberuf zählen vor allem die Selbstwertbedrohung durch Schülerverhalten, fehlende Hilfe bei Konflikten mit schwierigen Schülern, die Überforderung durch Häufung von Anforderungen, das hektische Arbeitsklima und die übermäßige Büro-kratisierung.Es scheint also dringend geboten, der Lehrergesundheit stärkere Aufmerksamkeit zu schenken. Denn eine hohe Qualität des Lehrens und Lernens kann nur mit psychisch und körperlich gesunden Lehrern gewährleistet werden. So gesehen muss die Auseinandersetzung mit den Stress-Faktoren auf die Beseitigung defizitärer Arbeitsbedingungen ausgerichtet sein. Und dies erfordert ein breites Spektrum gestalterischer Maßnahmen – von der Schaffung zumutbarer Klassengrößen, über die Gefährdungsanalyse am Arbeitsplatz bis hin zu einer Schulkultur, die ein hohes Maß an Gemeinsamkeit und Unterstützung bei der Durchsetzung schulischer Normen und Ziele einschließt und somit den Lehrer nicht zum Einzelkämpfer werden lässt. Fazit: Die Ergebnisse dieser Studie machen deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht, ansonsten können Überlastung, Verantwortungsdruck, Stress und Lärm den Frust weiter erhöhen und zu noch mehr Demotivation und Resignation beitragen.  

 

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Gesamtschule zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Leserbrief zur Debatte um das Malchiner Gymnasium

Als leistungsorientierter Lehrer mache ich mir große Sorgen um die Zukunft der gymnasialen Ausbildung begabter Kinder in unserer Region. Denn ein Gymnasium soll es in Malchin in spätestens drei Jahren nicht mehr geben, stattdessen eine Kooperative Gesamtschule mit einer einzügigen gymnasialen Oberstufe. Warum soll genau diese Schulart, die bei der jüngsten Pisa-Studie noch am erfolgreichsten abgeschnitten hat, im Land durch die Gesamtschule abgelöst werden? Wie sollen Kursangebot und Bildungsqualität der gymnasialen Oberstufe durch die Einzügigkeit gewährleistet werden? Obwohl sich die Gesamtschule in Deutschland als eigenständige Schulform etabliert hat, ist nicht zu übersehen, dass sie sich in einer kritischen Situation befindet. Auch neuere Reformpläne in den alten Bundesländern deuten auf einen weiteren Bedeutungsverlust hin. Die Gesamtschule ist mit dem Anspruch angetreten, die für alle Schüler pädagogisch effizientere Schule zu sein. Diesem Anspruch wurde sie bisher nicht gerecht. Vielmehr erwies sich bei den Schulvergleichsuntersuchungen die Gesamtschule dem Gymnasium gegenüber in Bezug auf den fachlichen Lernerfolg unterlegen. Eine Vergleichsstudie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung belegt anschaulich: Gesamtschüler weisen am Ende der zehnten Klasse gegenüber Gymnasiasten einen deutlichen Lernrückstand auf, der sich dann in den fachlichen Eingangsvoraussetzungen zu Beginn der Jahrgangsstufe 11 nachteilig auswirkt. Viele Schüler, die an Gesamtschulen mit befriedigenden oder ausreichenden Leistungen das Abitur bestanden haben, wären an Gymnasien nicht zur Reifeprüfung zugelassen worden. Gesamtschulen produzieren anscheinend zwar einen höheren Anteil an Abiturienten, offensichtlich  ist aber das Abitur aufgrund der Senkung des Anforderungsniveaus inhaltlich weniger wert. Unstrittig ist auch, dass ein Gesamtschulabitur geringer von Hoch- und Fachschulen sowie von der Wirtschaft bewertet wird. Fazit: Eine Gesamtschule sollte nur dort eingerichtet werden, wo eine breite Akzeptanz der Eltern, Schüler und Lehrer tatsächlich vorhanden ist. Und genau das ist derzeit an den Malchiner Schulen nicht der Fall.

 

 

 

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